Freitag, 5. März 2010

Gut Essen in England?

Bei England denken wohl nicht viele an gutes Essen. Die englische Kueche hat keinen guten Ruf - zu Unrecht. Anlaesslich meines Aufenthalts an der Suedkueste habe ich 2 Tage lang Verschiedenes der „einfachen“ englischen Kueche probiert.
Versuchen sie vor allem „Full English Breakfast“. Neben Toast, Butter, Marmelade/Honig mit Tee/Kaffee waehlen Sie z. B. den Klassiker „Bacon and Eggs“ – gebratener Schinken mit gebratenen Eiern, wahlweise mit brauner Sauce, gebratener Wurst und „baked beans“. Wenn Sie nicht zu frueh zum Fruestueck gehen, ersetzt es Ihnen ggf. das Mittagessen.
In Bayern aufgewachsen und seit 20 Jahren im Saarland ansaessig kenne ich den Stolz der Deutschen auf ihr Bier. In Bayern Weissbier und im Saarland das Pils, durch Bitburger inzwischen weit verbreitet. Das englische Ale ist mit diesen beiden nicht zu vergleichen - in Geschmack und Vielfalt steht es dem deutschen Angebot jedoch keinesfalls nach. Ohne auf die vielfaeltigen Marken einzugehen ist vom tiefschwarzen und sehr wuerzigen Bier bis zu einem „Lager“, das fast suesslich wie ein AlcoPop schmeckt alles drin. Sie werden Ihren Geschmack finden.
Beim Essen habe ich mich vor allem an den meist mit Kreide auf einer grossen Tafel notierten Tagesangebot orientiert. Das ist kein „Tagesmenue“ wie ich es aus Deutschland kenne – die Tafel kann durchaus 20 Positionen erhalten. In einem Pub begann dieBedienung um 18.30 h mit dem Schreiben – ab 19 h konnte man warmes Essen bestellen.
Am ersten Abend versuchte ich „Bangers and Mash“ - kleine, grobe Bratwuerste mit „mashed Potatoes“, in diesem Fall ein grober Kartoffelpurree. Am Sonntag habe ich den traditionellen „Sunday Roast“ versucht – ein Bild finden sie auf meiner flickr-Seite.
Abends fand ich in Hatings das sehr ansprechende „Black Pearl“, in dem zwar keine Gaeste, dafuer eine sehr freundliche Bedienung war, die mich ueber diverse Speisen und Biere aufklaerte. Hier wagte ich mich an „Cod Fillet on a bed of succatagh & crushed potatoes“ . Das verstand ich zwar nicht, ich kann auch fuer succatagh keine Uebersetzung finden. Es schmeckte jedoch ausgezeichnet. Fuer mich war es ein Kabeljaufilet auf Kartoffeln, die aussahen wie schwach gebratene Bratkartoffeln, die in einer kleinen runden Form zu einem ca. 2 cm hohen Kuchen geformt worden waren.
Im mittelalterlichen Rye wagte ich mich dann an etwas fuer mich Neues – ein Lunch aus 2 gebackenen Kartoffeln mit weissen Bohnen in weisser Sosse mit geriebenem Kaese und diversem Salat (darunter auch Kresse). Es war sehr gut.
In Rye fand ich auch das, wonach ich als leidenschaflticher Teetrinker lange gesucht hatte – eine Teestube, wo „afternoon tea“ und „cream tea“ serviert wird. In einem mittelalterlichen Fachwerkhaus erfuhr ich, dass sich die Namen weniger auf die Teesorte als mehr auf die Beilagen bezieht. „Cream Tea“ besteht aus einer Kanne Tee mit zwei kleinen Broetchen, dazu „Cream“ aus Sahne anstatt Butter und Marmelade. Mehr konnte ich leider nicht essen. Sonst haette ich den umfangreicheren „Afternoon Tea“ versucht – hier werden zum Tee mehrere Gebaecksorten auf 2 – 3 Tellern uebereinander serviert, die mit einem Stock in der Mitte verbunden sind. Essen Sie nicht zuviel Mittags, wenn sie sich das vornehmen.
Mein Fazit – die englische Kueche mag ungewoehnlich sein – schlecht ist sie nicht und ich empfehle jedem, nicht nur London zu besuchen, sondern in laendlicherer Gegend „England zu probieren“.