Donnerstag, 12. Juni 2014

Klassenfahrten? - Boykott geht in die nächste Runde

Klassenfahrten kommen nicht aus der Diskussion. Alle Beteiligten betonen den Nutzen für Klassengemeinschaft und die Erweiterung des Bildungshorizonts, durch mehrere Entwicklungen sind für die Durchführung jedoch Hürden aufgebaut worden. Der Kürzung von Budgets für die Reisekosten der Begleitlehrer steht ein Urteil entgegen, nachdem eine Verzichtserklärung darauf unwirksam ist, die Umlage der genießt den Verdacht der Vorteilsnahme und in Niedersachsen streiken die Lehrer beim Thema weil sie sich mit dem Ministerium über die Wochenarbeitszeit nicht einig sind.

Die nächste Runde haben jetzt die Eltern eröffnet. Wie nwzonline berichtet haben sich Eltern einer Schule in Hannover bereit erklärt, diese privat zu organisieren und selbst zu begleiten. Die Opferbereitschaft ist bemerkenswert, kostet die Fahrt doch Urlaubstage und ist ein echter Knochenjob - Einsatz rund um die Uhr. Ob die pädagogische Seite der Fahrt damit automatisch zum Scheitern verurteilt ist, bezweifle ich persönlich. Auch nicht jeder Lehrer findet den richtigen Zugang zur Klasse - trotz Fachausbildung. Und die Elternvertretung wird hoffentlich gut auswählen, wen sie da auf die Reise schickt.

Rechtlich ist das sehr viel kompliziert. So eine Fahrt ist keine Schulveranstaltung mehr. Gegen Unfälle kann man die Gruppe durchaus versichern, schwieriger wird es mit der Haftung für die Begleitpersonen. Wer übernimmt die Verantwortung, wenn sich ein Schüler absetzt, ins Koma säuft oder aus dem Fenster fällt? So etwas ist für Lehrer ein Trauma - gegen die finanziellen Folgen sind sie jedoch abgesichert. Da werden sich die Elternvertretungen juristisch beraten lassen müssen, um das Vertrags- und Haftungsverhältnis zwischen den Erziehungsberechtigten und den Begleitpersonen zu klären. Und werden die Eltern werden das um so zurückhaltender unterschreiben, umso befreiender das für die Begleiter ist.

Der Ansatz ist sehr lobenswert - für die Eltern. Wünschenswert wäre jedoch, wenn weder Kultuspolitiker noch Lehrerverbände ihre Differenzen auf dem Rücken der Schüler austragen würden.